Der hinkende Bote                                 "because  art is food"
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Datterich

Die Zeichnung zeigt den Schauspieler Eduard Göbel als Datterich - nach einem (verschollenen) Ölgemälde von Paul Thelin

Göbel spielte den Datterich im März 1915 am Hoftheater Darmstadt. Seine Darstellung wirkt nicht so süßlich verkitscht, wie es dann in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts üblich wurde. Die Darstellung, wie Thelin sie im Bild überliefert hat, zeigt das ganze Ausmaß von Abstieg und Suff. Ab 1915 erlebte Niebergalls Datterich seinen Durchbruch auf zahlreichen größeren Bühnen auch außerhalb der Region, über Niebergalls "lokale Posse" wurde nun im ganzen Land gelacht.

"Auch im sozialen Leben wurde es damals Frühling. Ein frischer Wind wehte durch die Welt", so ordnet Heinrich Römer, im Begleittext zur Aufführung des "Datterich" am 10. Juni 1925 an der Volksbühne in Berlin, das Stück in seine Entstehungszeit (1841) ein und fährt fort: "Und wie der außerhalb der Gesellschaft stehende "Datterich", schließlich doch unsere Sympathie erwirbt, während das philiströse Kleinbürgertum in seiner Selbstgerechtigkeit uns höchstens ein Lächeln abgewinnt (...), das enthält geradezu Ansätze zu einer  sozialen Kommödie."  

Die Verbrecher um die Datterologische Gesellschaft griffen in Darmstadt im Niebergalljahr 2015, anlässlich des zweihundertsten Geburtstages des Autors und der gerade aktuellen Schuldenkrise, den sozialen Aspekt der Posse erneut auf, indem sie mit Ensemble und Publikum der einen Aufführung, jene, auf Bühne und im Parkett prominent besetzte, andere mit dem Schlachtruf "Gläubiger dürfen keine Schuldner spielen", stürmten. Das war beinahe so etwas wie ein kleines Theaterskandälchen, wenn es auch besser "Gläubiger dürfen nicht mit Schuldnern spielen" gehießen hätte. Dieser Akt erinnert ein wenig an den großen zeitlichen und räumlichen und ebenfalls früh vollendeten Nachbarn Niebergalls:  

Dem Büchner wärn vielleicht Knast un Flucht erspart gebliwwe, wenn er Platt gebabbelt un vor allem geschriwwe hätt. Die Obrischkeit hätt ihn dann blos für dabbisch, un net für gefährlisch gehalde.

Die Rechte an den dramatischen Werken Niebergalls, "Des Burschen Heimkehr oder der tolle Hund" und "Datterich", lagen bei verschiedenen Verlagen. Im Jahr 1894 wurden die Rechte frei und es erschienen gleich zwei Gesamtsausgaben.

Erste Gesamtausgabe Niebergall, Dramatische Werke, Fuchs 1894.

 

 

Zweite Gesamtausgabe, "Volksausgabe", Offenbach 1894.


Manuskripte Niebergalls sind kaum erhalten. Hier das Faksimile eines Subscriptionsbriefes an Staudinger, mit der Anrede "Lieber Freund". Esselborn, Darmstadt 1925. 


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Hier die zehnte Auflage der Ausgabe von Scriba (Friedberg 1912) mit dem Ex libris Dr. Fritz Ebners (1922 - 2010), des langjährigen Mietglieds und Vorstands der Darmstädter Goethe-Gesellschaft.


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